Die Wagglitaler und der Auffahrtsumritt

Die Zeit der Reformation war für die Pfarrei eine markante Zäsur. Unter dem Einfluss von Komtur Hans Albrecht von Mülinen (1480–1540) und dem Landvogt Thomas Meyer, aus Zürich trat die Pfarrei 1528 zum evangelischen Glauben über.

Zum Gebiet der Pfarrei gehörten damals: Altwis, Bleulikon, Ermensee, Gelfingen, Hämikon, Heidegg, Herlisberg, Hitzkirch, Klotisberg, Lieli, Mosen, Müswangen, Richensee, Rüedikon und der östliche der Landstrasse gelegene Teil der Gemeinde Aesch.

Die Spannungen zwischen den katholisch geblieben und den reformierten Orte eskalierten und vor dem zweiten Kappeler Religionskrieg 1531 zogen katholische Truppen nach Hitzkirch und zwangen die Bevölkerung zum katholischen Glauben zurück zu kehren.

Hitzkirch und sieben andere abtrünnige Pfarreien aus dem Freiamt wurden für meineidig und treulos erklärt und mussten hohe Geldbussen bezahlen.

Immer wenn ein neuer Landvogt sein Amt antrat, wurde am offiziellen Schwörtag den Abtrünnigen vorgehalten, dass sie meineidig und ketzerisch gewesen seien. Erst 1568 wurde Hitzkirch den andern Gemeinden wieder gleichgestellt.

Diesem Umstand verdankt Hitzkirch den Namen «Wagglitaler».

Kirchlich wurde in dieser Zeit, um den wieder eingeführten katholischen Glauben dauerhaft zu festigen, mit Johann Feer ein erfahrener Pfarrer eingesetzt. Feer stammte aus Sempach und war in Beromünster als Pfarrer tätig.

In diesem Zusammenhang hält Emil Achermann in seinem Buch «Mein Tal» fest, dass der vom Komtur und dem Leutpriester im Frühsommer durchgeführte mittelalterliche Bannritt, als alter rechtskundlicher Brauch, 1532 von Johann Feer, dem damaligen Pfarrer von Hitzkirch in die eucharistische Prozession umgewandelt und in den Dienst der Rekatholisierung der Talschaft gestellt wurde. Der Auffahrtsumritt wurde also zur Stärkung und Betonung klarer Verhältnisse eingeführt.